Stufen by Christian Morgenstern


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Page 107

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Wie kann man sagen: Dies und das kommt hierher und daher; da doch alles
�berallher kommt.

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Das Prinzip der Nachahmung (oder, vom Objekt aus: der Ansteckung) wirkt
fortw�hrend in der ganzen Natur.

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Ich habe zuweilen einen abgr�ndigen Ha� auf die Zahl. Sie ist die
absurdeste F�lschung der 'Wirklichkeit', die dem Menschen wohl je gelungen
ist, und doch baut sich auf ihr 'unsere ganze heutige Welt' auf.

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Der gro�e Irrtum ist der: man glaubt irgend einmal einen Mechanismus
schaffen zu k�nnen, der schlie�lich wie ein Lebewesen wird und leben soll,
und sei es auch nur ein Infusorium. Und �bersieht dabei nur eins: da� es
ein einzelnes Infusor f�r sich allein gar nicht gibt, da� man das ganze
Weltall nachschaffen m��te, um auch nur ein kleinstes Tierchen in Wahrheit
lebendig zu machen -- denn man kann nichts von au�en hineinstopfen, Ihr
Herren, man mu� dann schon von der Pike auf schaffen, nicht nur so ex
tempore und ex machina.

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Alles ist Ausdruck eines _Wesens_.

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Wenn im gro�en Weltkonzert einmal ein Stern untergeht, so ist das auch
nichts weiter, wie wenn einem irdischen Orchestermusiker eine Saite
platzt. S�he man den Mann nicht die Geige absetzen, so w�rde man
vermutlich gar nichts merken, so unbek�mmert geht das vielstimmige
Zusammenspiel seinen gewaltigen Gang.

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Die 'Welt' gibt offenbar immer nur relative Vollendungs-M�glichkeit.
Zwischen zwei Eisperioden kann eine Menschheit sich vielleicht so
'vollenden', wie ein Einzelner zwischen Geburt und Tod.

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Wir glauben als Menschheit eine Art flie�ende Ebene zu sein und sind statt
dessen ein wandelnder Berg oder eine wandelnde Pyramide.

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Es ist mit der Weltenuhr wie mit der des Zimmers. Am Tage sieht man sie
wohl, aber h�rt sie fast gar nicht. Des Nachts aber h�rt man sie gehen wie
ein gro�es Herz.

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Diese Waschkanne vor mir -- nimm die Zeit von ihr: und sie st�rzt zusammen
in nichts. Die Zeit macht erst den Raum.

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Das Am�sante ist, da� es nun, seit dem Auftreten des Menschen, auf einmal
Vergangenheit und Zukunft gibt (von vielem andern ganz zu schweigen), als
h�tte die ganze Wirklichkeit nur darauf gewartet, sich von ihm in vorn und
hinten, oben und unten, fr�her und sp�ter usw. einteilen zu lassen. O
Mensch, du Kindskopf aller Kindsk�pfe, o Wissenschaft, du grandioses
Orientierungs-System dieses Kindskopfes, nichts weiter!

* * * * *

Gestern und morgen haben im All keinen Sinn. Das All war weder, noch wird
es sein, -- es ist. Und so _war_ nichts von dem, was wir 'vergangen'
nennen. Alles 'Vergangene' _ist_. Vergangenheit wie Zukunft sind nur
Formen der Gegenwart.

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F�r Pflanze und Tier gibt es das Wort ewig nicht und daher auch keine --
Ewigkeit. Es sollte sie auch f�r uns nicht geben. Wir _sind_. Wir werden
nie sein, ebensowenig, wie wir je waren. Die Ewigkeit ist in jedem Moment
'gelebte Gegenwart' -- oder sie ist nicht.

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Books | Photos | Paul Mutton | Wed 21st Jan 2026, 18:13