|
Main
- books.jibble.org
My Books
- IRC Hacks
Misc. Articles
- Meaning of Jibble
- M4 Su Doku
- Computer Scrapbooking
- Setting up Java
- Bootable Java
- Cookies in Java
- Dynamic Graphs
- Social Shakespeare
External Links
- Paul Mutton
- Jibble Photo Gallery
- Jibble Forums
- Google Landmarks
- Jibble Shop
- Free Books
- Intershot Ltd
|
books.jibble.org
Previous Page
| Next Page
Page 1
Sage mir, Liebe, ob ich die heissersehnte
Schönheit wirklich hier sehe, oder ob drinnen
In meiner Seele sie lebt, und ich der Herrin
Antlitz anschauend verkläre?
Es ist wie eine Ahnung, dass er auch in den geliebten Menschen nur
Schönheiten sehe, die _er_ ihnen erst verliehen, dass er nur von den
Bildern seiner eigenen Vollkommenheitssehnsucht spreche, wenn er ihre
Hoheit verehre.
Michelangelos eigene ringende Seele, mehr enthalten seine Dichtungen nicht.
Dieser Gedanke liegt der Anordnung zugrunde. Sie fasst die Gedichte
zusammen, denen in der Seele ihres Schöpfers gleiche Voraussetzungen
entsprechen, Grundkräfte, Anlagen seines Wesens, Ziele, die er erstrebte,
Werte, die er bejahte und in denen er sein letztes Genügen fand. Die
Ordnung dieser Gruppen untereinander versucht von der Wertung auszugehen,
die Michelangelo selbst an ihrem Inhalt vollzogen hat, indem sie ihn an dem
Bilde des Menschen misst, den er in sich zu verwirklichen strebte.
Ist dies gelungen, dann bilden die Gedichte eine Reihe, die von relativ
Äusserlichem ausgehend immer mehr zu dem vordringt, was Michelangelo als
sein Wertvollstes und Eigenstes beurteilte.
Dass bei diesem Versuch die Gefahr der Subjektivität nahe sei, habe ich mir
nicht verhehlt; aber hier schien die beste Möglichkeit zu liegen, aus einer
blossen Aneinanderreihung ein innerlich verbundenes Ganzes zu machen.
Die Briefe sind chronologisch geordnet. Aus der grossen Zahl mussten sehr
wenige ausgewählt werden. Es sind besonders solche, in denen das
eigenartige Verhältnis des Meisters zur Familie, sein stetes Sorgen und
bereitwilliges Helfen, dann auch seine Stellung zu Freunden und
Auftraggebern zum Ausdruck kommt.
Als Anhang sind die wenigen erhaltenen Briefe Vittorias an ihn beigefügt.
Die Übersetzungen der Gedichte sind teils schon vorliegende ältere, deren
Wiederdruck von den Herren Verlegern in liebenswürdiger Weise gestattet
wurde, teils Neuübertragungen von _Bettina Jacobson_.[1] Die Briefe wurden
vom Herausgeber sämtlich neu übersetzt. Der Auswahl gehen einige Kapitel
aus Ascanio Condivis "Leben Michelangelos" voraus, die etwa zehn Jahre vor
seinem Tode unter seinen Augen entstand: eine einfache Fassung, der sich
"die geschnittenen Steine" der Dichtungen vielleicht zu klarerem Schimmer
einfügen.
Die wiedergegebenen älteren Übertragungen stammen aus:
Michelangelos Gedichte, übersetzt von Sophie Hasenclever, Leipzig, Dürr
1875.
Übersetzungen von Hermann Grimm in: Grimm, Leben Michelangelos, Berlin,
Spemann.
Übersetzungen von Bodenstedt in: Nord und Süd. Bd. 34.
Übersetzungen von Karl Witte in: Romanische Studien 1871.
Übersetzungen von Hans Grasberger in: Le Rime di Michelangelo 1872.
_R. A. Guardini._
"Michelangelo beschränkte sich in seiner Jugend nicht auf Skulptur und
Malerei, sondern er widmete sich auch allen verwandten und ähnlichen
Künsten; und das tat er mit solchem Eifer, dass er sich für einige Zeit
fast völlig der Gemeinschaft der Menschen entzog und nur mit ganz wenigen
Umgang pflegte. Dies brachte ihn in den Ruf eines hochmütigen oder
seltsamen und phantastischen Menschen, und doch waren beide Fehler ihm
gleich fremd. Es war die Liebe zur Tüchtigkeit und die treue Hingabe an die
edlen Künste, die ihn -- wie es vielen ausgezeichneten Männern geschah --
einsam machten und ihn nur in deren Dienste Genüge und Ergötzung finden
liessen. Darum war ihm die Geselligkeit keine Freude, ja verhasst, denn sie
störte ihn in seiner Gedankenarbeit; war er doch, wie jener grosse Scipio
zu sagen pflegte, nie weniger allein, als wenn er allein war.
Doch suchte er gerne die Freundschaft derer, die ihm in tüchtigen und
weisen Gesprächen irgendwelche nützliche Frucht boten, oder in deren Seele
ein Strahl des Aussergewöhnlichen aufblitzte ... Eine besondere und grosse
Liebe verband ihn mit der Marchesana von Pescara, deren hoher Geist ihn
gefangen hielt, und die ihm mit ausserordentlicher Liebe vergalt. Von ihr
bewahrt er noch viele Briefe, voll von reiner und süsser Liebe, wie sie aus
so edlem Herzen kommen mussten, und er hat an sie viele gar kunstvolle
Sonette gerichtet, in denen eine innige Sehnsucht lebt. Sie verliess oft
Viterbo oder andere Orte, wohin sie sich zur geistigen Sammlung oder zum
Sommeraufenthalt zurückgezogen hatte, und kam nach Rom, einzig um
Michelangelo zu sehen; und er trug zu ihr solche Liebe, dass ich ihn einst
sagen hörte, er habe nur den Schmerz, dass er sie nicht, als sie aus diesem
Leben schied, auf die Stirn oder den Mund küsste, wie er ihre Hand geküsst
hatte. Und der Gedanke an ihren Tod liess ihn oft im Schmerz gleichsam
erstarren.
Previous Page
| Next Page
|
|